Soziale Gerechtigkeit – (k)ein Thema für Eliten?

Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Hartmann am 17.03.2015 stieß auf große Resonanz. Als Aufhänger wählte Herr Hartmann Pickettys aktuelles Werk „Das Kapital im 21.Jahrhundert“, um dann nach einer kurzen historischen Betrachtung der Entwicklung von Spitzensteuersätzen auf die zentralen Erkenntnisse aktueller Studien zu sprechen zu kommen.

Die erste Studie hat die Relevanz der Denkweisen und Einstellungen von Eliten aufgezeigt. Im Rahmen dieser wurden 1700 politische Entscheidungen untersucht, die zum Teil strittig waren. Es wurden drei Kräfte betrachtet, die Einfluss auf die Entscheidung nehmen, zum ersten die Durchschnittsbevölkerung, zum zweiten die oberen 10%, gemeinhin als Elite bezeichnet, zum dritten verschiedene andere Einflussgruppen wie Lobbyisten. Die zweitgenannten konnten sich hierbei maßgeblich durchsetzen, was die Relevanz der Denkweise dieser Gruppe für politische Prozesse aufzeigt.

Im Weiteren zeigte Herr Hartmann, welche Erkenntnisse hinsichtlich der Einstellungen und Denkweisen von Eliten kürzlich erlangt wurden. Hierfür wurden zahlreiche Einzelinterviews geführt, die die Einstellung zu Sozialpolitik, gesellschaftlichen Herausforderungen, Steuerpolitik und weiteren Themen in Erfahrung bringen sollten. Die Ergebnisse von rund 300 Befragungen von bedeutenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wurden vor dem Hintergrund der Herkunft der Personen untersucht. Es zeigt sich, dass wie bisher bekannt die Wirtschaftselite am wenigsten durchlässig für Nachkommen aus Arbeiter- und Mittelschichtfamilien ist, während die Politik sich deutlich durchlässiger zeigt. Besonders hervorgehoben wurde von Herrn Hartmann, dass die soziale Herkunft die eigenen Einstellungen stärker zu beeinflussen scheint, als etwa die eigene Parteizugehörigkeit. In Fragen der Sozial- und Steuerpolitik tun sich große Differenzen zwischen der Einstellung der Durchschnittsbevölkerung und derjenigen der sogenannten Eliten auf. Hieraus folgt, dass viele Entscheidungen nicht entsprechend den Wünschen und Vorstellungen der Durchschnittsbevölkerung getroffen werden.

Im Anschluss an die Ausführungen des Referenten gab es eine ausgiebige Diskussionsrunde, in der Herr Hartmann die Fragen der interessierten Zuhörer ausführlich beantwortete. Sein Fazit nach unserer Veranstaltung lautet: Mir ist das große inhaltliche Interesse der vielen anwesenden Studierenden sehr positiv aufgefallen. Das erlebt man heutzutage nicht mehr so oft.”

Wir danken Prof. Dr. Michael Hartmann dafür, dass er diesen spannenden Abend gestaltet und die Fragen der Zuhörerschaft beantwortet hat. Auch unseren neuen und altbekannten Gästen danken wir für ihren Beitrag zu diesem schönen Abend und wir freuen uns über die positive Rückmeldung der Besucher.

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