II) Vom Handeln zum Wissen

Am Donnerstag, 25. Oktober 2012, ab 17.15 Uhr in M003 folgte der zweite Teil unserer Reihe: ein Vortrag von Prof. Dr. Harald Welzer.

Harald Welzer ist Sozialpsychologe und Publizist (“Opa war kein Nazi”, “Soldaten”, “Klimakriege”). Er hat die Stiftung “FuturZwei” gegründet, die Geschichten vom zukunftsfähigen Leben veröffentlicht.  Welzer hat Lehraufträge an den Universitäten Flensburg und St. Gallen.

Wie schon am Titel des Vortrags deutlich wird, stand am Ausgangspunkt von Welzers Vortrag die Frage danach, warum in unserer Gesellschaft eine so große Diskrepanz besteht zwischen dem Wissen um die aktuellen Probleme (Klimawandel, Umweltverschmutzung, Ressourcenübernutzung etc.) und unseren Lebenspraktiken (steigender Konsum, Vielzahl an Flugreisen etc.). Welzer begründete diesen Widerspruch mit unseren materiellen, aber vor allem „mentalen Infrastrukturen“ und illustrierte dies an einigen Beispielen. Schlüsselfaktoren sind nach Welzer die Unfähigkeit von Gesellschaften, ihre vermeintlichen Erfolgsstrategien zu ändern (z.B. den westliche Expansionsdrang), die Fähigkeit der Menschen, ihre kognitiven Dissonanzen auszugleichen („Ich kaufe Bio – also ist es okay, wenn ich fliege“) oder der von jedem ständig trainierte Rollenwechsel in einer funktional so differenzierten Gesellschaft wie der unseren (z.B. Rolle 1: Tourist, Rolle 2: Klimaaktivist). Das Wissen um den Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre, beispielsweise, sei zudem in unseren Breitengraden noch nicht lebenspraktisch relevant und werde in keinen handlungsverändernden Bezug zu unserem Konsumverhalten gesetzt. Trotz des grünen Bewusstseins würden wir also immer mehr kaufen und immer mehr wegschmeißen und dies für normal erachten (das sogenannte „Shifting-Baselines“-Phänomen). Bei dem Kampf für eine nachhaltige Wirtschafts- und Lebensordnung gehe es also, so Welzer, nicht um reine Wissensvermittlung, sondern um eine Veränderung der gesellschaftlichen Praxis: Den schlechten Praktiken müsse man gute Praktiken entgegensetzen. Damit wies Welzer auch auf die von ihm gegründete Stiftung „FuturZwei“ hin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, positive Vorbilder und gelungene Beispiele für nachhaltiges Leben und Wirtschaften zu sammeln und zu veröffentlichen.

Nach einer kontroversen Fragerunde im Anschluss an Prof. Welzers Vortrag klang der Abend im Foyer aus – wo angeregt weiter diskutiert wurde.

 

Teil 2: Vortrag

Denn sie tun nicht, was sie wissen. Warum man vom Handeln zum Wissen kommt und nicht umgekehrt

Am Donnerstag, 25. Oktober 2012, kommt Prof. Dr. Harald Welzer an die Uni Mannheim. Sein Vortrag beginnt um 17.15 Uhr in M 003 (Universität Mannheim, Schloss).

Harald Welzer ist Sozialpsychologe und Publizist („Opa war kein Nazi“, „Soldaten“, „Klimakriege“). Er hat die Stiftung „FuturZwei“ gegründet, die Geschichten vom zukunftsfähigen Leben veröffentlicht.  Welzer hat Lehraufträge an den Universitäten Witten-Herdecke und Flensburg.

Harald Welzer setzt sich kritisch mit wirtschaftlichem Wachstum auseinander. Er bereichert die Diskussion um den sozialpsychologischen Blickwinkel und hinterfragt, wie den Menschen in unserer Gesellschaft das Streben nach immer mehr Konsumgütern anerzogen wird. Anhand bildhafter Beispiele illustriert er die Denkfallen, in die der Konsument bei der Maximierung seines Wohlbefindens tappen kann. Zudem wird er erklären, warum er die Stiftung „FuturZwei“ gegründet hat, die Geschichten von Vorbildern für nachhaltiges Leben sammelt.

Im Anschluss an den einstündigen Vortrag gibt es eine Diskussion mit dem Publikum und ein Get-Together im Foyer.

Wir freuen uns auf euer Kommen!