Selbstbegrenzung und Selbstbehauptung des Westens

Theisen

Nach einer kurzen Ära der globalen Vorherrschaft des Westens bewegt sich die Welt durch die Globalisierung und das Aufstreben der Schwellenländer zu einer neuen (Un-) Ordnung. In dieser multikulturellen Welt wird der Westen wohl nur noch ein wichtiger Akteur unter anderen sein. Welche Rolle kann und will der Westen dabei noch einnehmen? Dieser Frage wollten wir auf den Grund gehen und waren froh, dass Herr Professor Theisen Politikwissenschaftler an der Katholischen Hochschule Köln unserer Einladung gefolgt ist und uns seine Sicht auf die Weltpolitik erläutert hat.

Vor über 200 Zuhörern hat er zu Beginn den Studierenden den Ratschlag gegeben, genau aufzupassen, was wir während des Studiums lernen, da es später sehr schwierig ist, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Genau dies sei in der gegenwärtigen internationalen Politik zu beobachten. Der Westen, unter Führung der USA, etabliert sich immer mehr als moralische Weltpolizei, die auch mit Gewalt ihre Werte (Menschenrechte, Demokratie, Kapitalismus) durchsetzen will und versucht, ihre Strukturen in andere Länder zu exportieren. Dank der bisherigen wirtschaftlichen und militärischen Überlegenheit war dies auch möglich. Doch nicht nur wegen des wirtschaftlichen Aufstrebens neuer Länder, wie zum Beispiel der BRIC – Staaten, muss die bisherige Politik hinterfragt werden. Denn was wurde mit den vergangenen militärischen Interventionen erreicht? Ist der Westen nicht meist gescheitert? Wie ist die Situation im Irak, was wird aus Afghanistan oder Lybien? Hatten wir überhaupt das Recht, uns einzumischen und unsere Strukturen und Vorstellungen als allgemeingültig, also als universal zu definieren? Herr Professor Theisen stellt die These auf, dass nicht jede Kultur und nicht jedes Land zu dem jetzigen Zeitpunkt kompatibel mit den westlichen Werten und Strukturen ist. Und dass generell der Einfluss von kulturellen Unterschieden unterschätzt wird (Kulturrelativismus). Dies führt zu politischen Fehleinschätzungen und dass aus „gut gemeint“ „schlecht gemacht“ und kontraproduktiv wird.

Er resümiert, dass der Westen sich bei seinen Versuchen als Ersatzweltregierung kulturell, militärisch und wirtschaftlich überfordert hat und dieser universalistischen Politik eine problematische Legitimation zu Grunde liegt. Es sei nebenbei auch paradox, nach außen universalistisch aufzutreten und nach innen relativistisch. Dies müsste sich umkehren und damit ein Paradigmenwechsel eintreten, dessen Anfänge schon zu sehen seien. Der Westen muss seinen Machtanspruch reduzieren, seine Werte nach außen relativieren und den verschiedenen Ländern die Möglichkeiten geben, sich selbst zu entwickeln. Dabei kann er aber Hilfestellungen leisten. Nur in besonderen Situationen der Menschenrechtsverletzungen sollte im Rahmen der UNO als „Feuerwehr“ eingegriffen werden. Darüber hinaus sollten das Prinzip der Gegenseitigkeit der Interessen und die Wahrung der nationalen Souveränität Mittelpunkt der internationalen Politik sein. So kann eine kooperative, friedliche und multipolare Welt im 21. Jahrhundert entstehen.

Seine kontroversen Thesen wurden im Anschluss an den spannenden Vortrag in einer Fragerunde diskutiert. Danach klang der Abend bei einigen Getränken im Foyer aus – wo angeregt weiter diskutiert wurde.

Wir danken allen Zuhörern und natürlich Herrn Professor Theisen für einen interessanten und aufschlussreichen Abend.

Ankündigung:

Selbstbegrenzung und Selbstbehauptung des Westens

Wie organisiert der Westen den Niedergang seiner Dominanz?

Nach einer kurzen Ära der globalen Vorherrschaft des Westens bewegt sich die Welt durch die Globalisierung und das Aufstreben der Schwellenländer zu einer neuen (Un-) Ordnung. In dieser multikulturellen Welt wird der Westen wohl nur noch ein wichtiger Akteur unter anderen sein.

Zusammen mit Euch wollen wir uns fragen, ob im 21. Jahrhundert Kulturkonflikte zu- oder abnehmen werden und welche Rolle der Westen dabei spielen will und kann.

Dafür haben wir Professor Dr. Heinz Theisen, Politikwissenschaftler an der Katholischen Hochschule Köln, eingeladen. Er wird am Dienstag, den 5. November, einen Vortrag zu diesem Thema halten und danach für Eure Fragen zur Verfügung stehen.

Der Beginn des Vortrages ist 19.00 Uhr im Raum EO 150 (Ehrenhof Ost-Flügel der Universität).

Wir freuen uns sehr auf Euer Kommen!

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