Rückblick: Plenum vom 19.10.

Liebe SICoRianerinnen und SICoRianer,

An dieser Stelle folgt ein kleiner Rückblick unseres Plenums der letzten Woche. Das Thema des Plenums lautete: Bildungssysteme: Gleiche Chancen für alle oder Elitenförderung?

Das Thema Bildungs(un)gleichheit in Deutschland umfasst zahlreiche Aspekte, welche in einem einzigen Plenum natürlich nicht vollständig abgehandelt werden konnten und auch dieser Rückblick befasst sich nur mit einigen zentralen Diskussionspunkten des letzten Plenums.

Ist das Bildungssystem in Deutschland gerecht oder fördert es doch eher einige wenige? Lange wurde in einem unserer Plenen nicht mehr so kontrovers diskutiert wie bei dieser Frage. Vor allem der Sinn und die weitere Berechtigung der Mehrgliedrigkeit des deutschen Bildungssystems, also der Aufteilung der weiterführenden Schullaufbahn in Haupt-, Realschule und Gymnasium, wurde heftig diskutiert. Kann durch ein solches System besser auf die Einzelbedürfnisse der Schüler eingegangen werden oder sorgt es eher für mehr Ungleichheit, führt also eher das herbei, was es eigentlich bekämpfen sollte? In der Theorie sollte ein mehrgliedriges Schulsystem eher besser dafür geeignet sein individuell auf die Bedürfnisse von Schülern eingehen zu können. Während leistungsstärkere Kinder auf dem Gymnasium ihren Ansprüchen entsprechend gefördert werden können, sollte zum Beispiel auf Hauptschulen besser auf Leistungsschwächen von Schülern eingegangen werden. Ein mehrgliedriges Schulsystem verspricht also auf den ersten Blick eine Förderung von Schülern, welches ihrem jeweiligen Leistungslevel  entspricht und dies sollte eigentlich zu einem guten Bildungsoutcome führen. In der Realität findet sich allerdings eine deutliche Diskrepanz zu diesem Idealbild. Eine solche individuelle Förderung findet in den meisten Fällen einfach nicht statt. Ein weiteres großes Problem ist, dass die unterschiedlichen Bildungsabschlüsse mit ganz unterschiedlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbunden sind. So ist es heute mitunter schwierig mit einem Hauptschulabschluss eine vernünftige Ausbildungsstelle bzw. einen vernünftigen Beruf zu finden. Damit ist der Sinn einer Hauptschule natürlich ernsthaft in Frage zu stellen, wenn ein solcher Abschluss vielen Menschen keine gesicherte Zukunft ermöglichen kann. Die Hauptschule ist hier keine Förderungsinstanz welche auf Leistungsprobleme von Schülern eingehen soll, sondern verkommt, um es provokant zu formulieren, zu einem Abstellgleis auf dem Kinder abgestellt werden, welche ihre Pflichtjahre in der Schule absitzen sollen, ohne die leistungsstärkeren Schüler zu stören. Aber was kann an dieser Stelle getan werden, um dieses Problem zu bekämpfen? Als mögliche Alternative zur Mehrgliedrigkeit wurden Gesamtschulen angesprochen in denen Schülern in einzelnen Fächern ihrem Leistungsniveau entsprechend eingeteilt werden. So kann ein Schüler zum Beispiel in Mathe auf Hauptschulniveau unterrichtet werden und in Deutsch dafür auf Gymnasialniveau. Auf diese Weise kann tatsächlich besser auf Chancen und Schwächen eingegangen werden, ohne Sie gleich auf verschiedene Schulen zu schicken.

Es lässt sich auch die Frage stellen, ob es denn wirklich Chancengleichheit ist, wenn Schüler entsprechend ihrem Potenzial unterschiedlich gefördert werden? Am Ende stehen ja dann trotzdem Personen mit unterschiedlichen Abschlüssen und damit ungleichen Chancen da. Die Frage ist hier allerdings, ob ein absoluter Gleichheitsanspruch in Bezug auf Bildung überhaupt bestehen sollte. Kann man es nicht ebenso als unfair bezeichnen, wenn ein Schüler mit dem Potenzial der nächste Einstein zu werden vom Bildungssystem nicht auch entsprechend gefördert wird, um dieser neue Einstein zu werden, auch wenn das bedeutet, dass am Ende eine Diskrepanz zwischen Ihm und anderen Schülern besteht? Sollte man nicht eher versuchen die Schüler entsprechend ihrem Potenzial zu fördern, auch wenn dies mit Unterschieden verbunden ist und nicht zwanghaft zu versuchen Gleichheit in allen Bereichen herzustellen? Inwiefern eine solche Potenzialförderung in Deutschland überhaupt stattfindet ist natürlich wieder eine andere Frage. So werden einige Talente, wie zum Beispiel mathematische Fähigkeiten in der Schule natürlich mehr gefördert, als andere, wie zum Beispiel künstlerische oder musikalische Fähigkeiten. Natürlich muss man aber auch Fragen, wie viel Differenzierung bezüglich der Förderung von Talenten dem Schulsystem überhaupt zuzumuten ist. Sollte in der Schule zum Beispiel künstlerisches Talent stark gefördert werden, bzw. sind überhaupt genug Mittel und Ressourcen da, um dies zu tun oder liegt hier die Verantwortung zum Beispiel auch bei den Eltern?

Ein weiteres Problem, welches Angesprochen wurde, war die Rolle der Lehrer. Diesen kommt in Bezug auf Bildung ja die zentralste Rolle zu. Schließlich müssen sie das Wissen ja an den Mann bringen. Entsprechend ist ein Lehrermangel in Deutschland natürlich ein großes Problem in Bezug auf Bildungschancen, denn dies bedeutet unter anderem größere Klassen mit mehr Schülern und somit natürlich weniger Individualförderung. Auch sind heute die Einflussmöglichkeiten für Lehrer begrenzt und es wird ein immer größerer Druck auf sie ausgeübt. So werden heute oftmals nicht mehr die Schüler selbst, sondern die Lehrer für schlechte Schulnoten zur Verantwortung gezogen, was den Druck auf das Lehrpersonal natürlich weiter erhöht.

Dies waren wie gesagt nur ein paar wenige Aspekte eines wie ich finde äußerst unterhaltsamen und kontroversen Plenums. Wer sich noch einmal die Referatsfolien des Plenums ansehe will, der kann dies an dieser Stelle machen: sicor_bildungssysteme – Außerdem ist hier auch noch einmal der Vorbereitungsartikel zum Plenum.

Weiter geht es dann am Mittwoch dem 02.11. mit dem Thema „Political (Over-)correctness? – Wenn Gleichheit zu weit geht?“

 

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